Reiten-in-Berlin

Traditionen und Volkstümliches zum Thema Schmied

Von Pferden und Schmieden
Seit Jahrtausenden schmiedet der Mensch Metalle – das Schmieden ist eine der ältesten Handwerkskünste überhaupt. Bis heute fasziniert der geschickte Umgang mit Feuer, Wasser, Metall, Hammer und Amboss. Doch für unsere Vorfahren muss darin ein besonderes Geheimnis gelegen haben, wie Schmiede aus weichem Roheisen hoch belastbare Gegenstände fertigten. Das Wort „Schmieden" bezeichnet alle Verfahren, um ein Werkstück aus Metall durch Wärme und Druck zu verformen. Erst geschmiedete Werkzeuge und Geräte ermöglichten Erfindungen und Fortschritt im Ackerbau, in Handwerk und Handel, Schiffbau und Transportwesen.

Gute Hufe braucht ein Pferd
Hauspferde wurden erstmals etwa 2000 v. Chr. in Babylonien und ungefähr 300 Jahre später in Ägypten gehalten. Hufbeschlag und Waffenherstellung lagen anfangs nahe beisammen: Huf- und Waffenschmiede sind die frühesten Vertreter des Handwerks. Sieg oder Niederlage ganzer Heerscharen hingen von der Qualität der Schwerter und Rüstungsteile sowie dem Leistungsvermögen der Pferde ab. Mit Eisen beschlagene Pferde vergrößerten den Aktionsradius und die Geschwindigkeit bewaffneter Reiter. Dementsprechend genoss der „smid“, wie er seit dem frühen Mittelalter genannt wird, ein hohes Ansehen.

Mythen und Legenden
Schmiede spielen in den ältesten Sagen und Legenden der Völker eine wichtige Rolle. Zum Beispiel befindet sich tief im Innersten des Vulkans Ätna auf Sizilien die Schmiedewerkstatt von Hephaistos, in der Mythologie der alten Griechen der Gott des Feuers und Schutzpatron aller Schmiede. Hephaistos fertigte prachtvolle Waffen und Rüstungen für Helden, aber auch die Pfeile des Liebesgottes Eros sowie das Zepter und die Blitze des Göttervaters Zeus. Und wer weiß, was Hephaistos heute schmiedet – der Ätna jedenfalls ist noch immer ein aktiver Vulkan... Auch in den germanisch-skandinavischen Sagas der Völkerwanderungszeit lebt der "weltweite" Ruf legendärer Waffen- und Kunstschmiede fort. Denn eine hohe Metallqualität zu erzielen war mit den damaligen Techniken sehr aufwendig. Wegen ihrer körperlichen Stärke und der Arbeit am Feuer mag den Schmieden etwas Unheimliches und Übermächtiges angehaftet sein. So glaubten die Menschen, dass der Schmied eines besonders guten Schwert übersinnliche Kräfte ins Spiel gebracht haben musste. In der Mythologie arbeiteten deshalb häufig Zwerge als Schmiede. Aber auch der Niebelungen-Held Siegfried absolvierte eine Schmiede-Lehre. Der Königssohn Wieland „der Schmied“ wurde zur Symbolfigur aller Schmiede.

Eisen, Pferde und Magie
Magische Schwerter trugen Namen wie „Gram“, „Balmung“, „Mimung“ oder „Excalibur“. Ähnliche Überhöhungen findet man auch bei Pferden, zum Beispiel in dem geflügelten Pegasus der Griechen oder dem achtbeinigen Ross Sleipnir des germanischen Götterkönigs Odin. Der Glaube an die magische Kraft des Pferdes ist allen indo-europäischen Völkern gemeinsam, deren Vorfahren seit der Altsteinzeit das Pferd domestiziert hatten. Nicht zuletzt gilt es in allen Heldensagen als besonderes Ereignis, wenn jemand sein erstes Pferd auswählt, das ihm oft bis ans Lebensende gehört. Der erste Beschlag wird oft als symbolische Inbesitznahme geschildert. Bis heute wird das Hufeisen als Glücksbringer an Haustüren oder Autokühlergrills befestigt. Allerdings muss die Öffnung nach oben zeigen - sonst fällt das Glück heraus...

Himmlischer Beistand
Auf mindestens zehn Schutzpatrone können Schmiede bei Bedarf im volkstümlichen christlichen Glauben zurückgreifen – eine beachtliche himmlische Unterstützung! Teilweise haben die Schutzheiligen und deren Legenden freilich nur regionale Bedeutung.Hl. Adrianus (8.9.): u.a. Schmiede, Gefängniswärter, Soldaten.

  • Hl. Eligius (1.12.) u.a. Goldschmiede, Schmiede, Kutscher, Kutschenbauer, Sattler, Pferdehändler und Tierärzte. In Südwestdeutschland auch Pferdepatron.
  • Rabiater Hufschmied: Er schnitt einem störrischen Pferd, das er beschlagen sollte, das Bein ab, befestigte das Hufeisen auf dem Amboss und setzte das Bein wieder an!
  • Hl. Dunstan (19.5.) Schutzpatron der englischen Hufschmiede, Goldschmiede, Schlosser und Musikanten. Auf Bildern kneift er häufig einem bösen Geist mit einer dicken Zange in die Nase
  • Hl. Florian (4.5.) u.a. Schmiede, Köhler und allen voran der Feuerwehren.
  • Hl. Georg (23.4.), u.a. Schutzpatron der (Waffen-)schmiede, Pferde und Vieh. Wichtigster Pferdepatron.
  • Hl. Johannes (24.6.) u.a. Schmiede, Sattler, Hirten, Bauern.
  • Hl. Leonhard von Limoges (6.11.) Patron der Bauern und des Viehs, vor allem der Pferde, der Ställe, Stallknechte, Fuhrleute, Schmiede. Leonhard wird seit dem 11. Jahrhundert besonders in Bayern verehrt. Bis heute gibt es noch über 50 Leonhardi-Wallfahrten, meist mit Pferde-Ritten.
  • Hl. Matthias Apostel (24.2.), u.a. Schmiede, Bauschreiner und Zimmerleute.
  • Hl. Patrick von Irland (17.3.), Patron von Irland, der Bergleute, Schmiede, des Viehs. Hierzulande vor allem populär bei Freunden der irischen Braukunst („St. Patrick’s Day“).
  • Hl. Petrus (29.6.) u.a. Schlosser, Schmiede, Bleigießer.

Sprichwörtliches

Auch eine ganze Reihe von Redensarten und Sprichworten geht auf das Schmiedehandwerk ein:

„Um eines Hufeisens willen verdirbt oft ein Pferd“ „Er schmiedet Pläne.“ „Eine Ehe schmieden.“ „Jemand hat mehrere Eisen im Feuer.“ „Schmiede das Eisen, solange es heiß ist.“ „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ „Verstand ohne Mut - zum Schmieden fehlt die Glut.“ „Mut ohne Verstand - zum Schmieden fehlt die Hand.“ „Schmiedes Kinder sind die Funken gewohnt.“ „Dafür hat der Schmied Zangen“ „Zum Schmied und nicht zum Schmiedchen gehen“ „Vor die rechte Schmiede kommen“ „Nägel mit Köpfen schmieden“ „Kann er nicht schmieden, so kann er doch den Blasebalg ziehen“ „Wer die Schmiede wechselt, muss die alten Eisen bezahlen“ „Schmieds Hund schläft beim Amboss“ „Ein schlechter Schmied, der die Funken fürchtet“ „Wer in die Schmiede kommt, macht sich schwarz.“ „Man kann wohl Waffen gegen die Feinde, aber nicht gegen die Furcht schmieden“ „Wenn Schmieds Frau einen Nagel braucht, muss sie ihn beim Krämer kaufen.“