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Lehrgänge/Seminare Berlin-Brandenburg

"Reiten von Dressuraufgaben:
Kriterien, Bewertung und Tipps zur Verbesserung"
Seminar mit Peter Holler

Die Regionalversammlung der Persönlichen Mitglieder FN Berlin-Brandenburg und der Pferdesportverband Berlin-Brandenburg e.V. haben am 22.10.2007 zur Regionalen Fachtagung zum Thema
„Reiten von Dressuraufgaben: Kriterien, Bewertung und Tipps zur Verbesserung“ mit Peter Holler, Koblenz
in die Reitanlage Pichelsberg (Berlin) eingeladen.
Anhand von mehreren vorgestellten Pferden auf unterschiedlichem Niveau von A bis S wurden an einzelnen Lektionen oder Lektionsfolgen konkrete Bewertungen aufgezeigt und darauf aufbauend:
· der Ausbildungsstand/-weg von Reiter und Pferd analysiert
· die Bewertungskriterien im Dressursport transparent erläutert
· Perspektiven und Vorschläge für die weitere Ausbildung und Verbesserung der vorgestellten Pferde auf Basis der Klassischen Methoden erörtert
Einführend wies Peter Holler, selber langjähriger internationaler Dressurrichter, die Besucher darauf hin, dass Richter auf einem Turnier kein Ersatz für Ausbilder sind, sondern nur eine Zielrichtung, eine Orientierung für die weitere Ausbildung geben können. Der Richter fungiert dabei als Sachverständiger, der durch seine Notengebung und auch durch die Kommentierung der Note dem Reiter vermitteln kann, was verbesserungsfähig ist.
Wertnoten liegen zwischen 0 und 10,0 und werden in Zehntel-Schritten vergeben. Was die einzelnen Wertnoten bedeuten ist in der LPO festgelegt, mit einer Wertnote unter 5,0 darf ein Ritt nicht mehr platziert werden.

Grundlage der Bewertung einer Vorstellung in der Dressur sind die Kriterien der Skala der Ausbildung. Auch wichtig bei der Beurteilung des Pferdes ist das Exterieur,denn es bestimmt den Weg der Ausbildung entscheidend mit.
Die Skala der Ausbildung zeichnet den korrekten Ausbildungsweg des Pferdes schematisch auf. Ein Punkt baut jeweils auf den vorhergegangenen Punkten auf, so behält das Pferd dann auch bei schwierigeren Aufgaben seinen reinen Gang und die gesunde Haltung bei.
Die sechs Punkte der Skala der Ausbildung wird in drei Phasen unterteilt:
Gewöhnungsphase, - Entwicklung der Schubkraft, - Entwicklung der Tragkraft.

Der erste Bereich ist die Gewöhnungsphase.
Hierzu zählen Takt, Losgelassenheit und Anlehnung.
Taktreinheit bedeutet das räumliche und zeitliche Gleichmass der Bewegungen, das Pferd tritt in allen Gangarten gleichmässig in geregeltem Tempo. Taktfehler sind erkennbar als "Zügellahmheit", Vierschlag im Galopp, passartiger Schritt. Bei einem taktreinen Schritt ist eine "V-Bildung" des jeweils rechten oder linken Beinpaares bei seitlicher Ansicht erkennbar, während Pass ein Zweitakt in vier Phasen ist, bei dem die gleichseitigen Beinpaare abwechselnd auffußen. Tritt in einer Dressuraufgabe nachhaltig ein Taktfehler in einer Gangart auf, dann kann der Reiter mit seinem Pferd von den Richtern keine Wertnote über 5,0 erwarten.
Aus dem Takt entwickelt sich die Losgelassenheit. Losgelassenheit bedeutet : das Pferd fühlt sich physisch und psychisch wohl. Es ist nicht verspannt, geht jedoch mit einer bestimmten Grund-Körperspannung,
schwingender Rücken, Hals mit aufgewölbter Oberlinie (entsprechen der Hinterhandaktivität bzw. des Ausbildungsstandes), pendelnder Schweif, Gesichtsausdruck (Ohrenspiel, zufrieden kauendes Maul) und regelmäßige Atmung. Die Losgelassenheit ist erst erfüllt, wenn das Pferd in Dehnungshaltung geht.
Anlehnung ist die stete, weiche, federnde Verbindung von der Reiterhand zum Pferdemaul. Sie bedeutet einen natürlichen, positiven Spannungsbogen, der über das gesamte Pferd verläuft.
Gewünscht ist eine natürliche Selbsthaltung. Zu Anlehnungsfehler zählen "hinter dem Zügel" (Pferd entzieht sich der Anlehnung durch das Einrollen des Kopfes) oder "auf dem Zügel" (Pferd hängt sich in die Zügel, der Kopf hängt eher nach unten) gehen.
Nun folgt die Entwicklung der Schubkraft. Schwung baut auf den vorherigen Punkten der Skala der Ausbildung auf. Er ist die Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand auf die Gesamt- Vorwärtsbewegung des Pferdes, deswegen fördert jede Lektion, die die Hinterhand zum vermehrten Untertreten anregt, den Schwung. Aus dem Schwung resultiert auch der Ausdruck, der zum Gesamtbild der Prüfung gehört. Eine ausdruckslose Vorstellung wird auch bei fehlerfreiem Ritt der Lektionen schlechter bewertet als ein fehlerfreier oder vergleichbarer schwungvoller,ausdrucksstarker Ritt.
Schwung, Geraderichtung und Versammlung zielen auf die Entwicklung der Tragkraft. Das Pferd soll mit der Hinterhand vermehrt Gewicht aufnehmen. Nur dadurch lassen sich wirkliche Versammlung und Aufrichtung erreichen.
Pferde sind von Natur aus leicht schief. Das ist der Grund, weshalb sich die meisten Pferde auf eine Seite leichter biegen lassen als auf die andere Seite. Das schiefe Pferd tritt mit einem Hinterbein zwischen die Spuren der Vorderbeine, mit dem anderen aussen am einen Vorderbein vorbei. Durch geraderichtende Arbeit wird die natürliche Schiefe korrigiert, die Hinterhufe fussen in die Spuren der Vorderhufe.
Schon ab der Klasse L muss das Pferd im Viereck versammelte Gänge zeigen. Die Hinterbeine des Pferdes sollen vermehrt die Last des Reiter- und Pferdegewichts aufnehmen. Das wird erreicht durch ein Absenken der Kruppe und durch die Hankenbeugung bei gewölbtem Rücken und dem Zurücknehmen und Aufrichten des Pferdehalses.Unter Hankenbeugung versteht man eine verstärkte Winkelung der Knie- und Hüftgelenke und ein stärkeres Untertreten der Hinterbeine unter den Bauch des Pferdes (sogenanntes Untersetzen). Die Hankenbeugung erreicht ihre höchste Steigerung in Lektionen der Hohen Schule der Dressurreiterei wie Piaffe oder Levade. Das versammelte Pferd verlagert seinen Schwerpunkt nach hinten, wird dadurch leichter auf der Vorhand und richtet sich auf.
Wenn das Pferd die reiterlichen Hilfen durch den ganzen Körper durchläßt, spricht man von Durchlässigkeit.
Bei einem durchläßigen Pferd führt der Antritt des Hinterbeins dazu, daß die Dynamik der Bewegung über den Rücken, den Hals und das Genick bis zum Pferdemaul durchgelassen wird.

Jeder einzelne Punkt ist Grundlage einer Bewertung durch Richter und wann immer Schwierigkeiten auftauchen sollte man die Skala der Ausbildung Punkt für Punkt durchgehen um herauszufinden, wo die Wurzel des Problems liegt.
Außerdem tragen die Protokolle von Dressurprüfungen, besonders wenn die Lektionen noch kommentiert sind, zur Klärung von Schwachstellen bei.
Die Besucher und besonders die Reiter dieses lehrreichen Abends konnten viele Anregungen für das tägliche Training mitnehmen.

Text + Fotos : Marietta Grade

Peter Holler und Angelika Binding
Zuschauertribüne
Geschenk für den Gast

 

 
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