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Rip-Dealer im Pferde-Business

Es ist immer die gleiche Masche, mit der die Betrüger ihre Opfer um hohe Summen Geld prellen: Rip-Deals haben längst auch die Pferde-Szene erreicht. Bei diesem Geldwechselbetrug werden betrügerische Tauschgeschäfte eingefädelt und den Opfern im Tausch gegen eine hohe Summe Falschgeld unter gejubelt.

 

Es beginnt mit einer email oder einem Anruf auf eine Pferde-Verkaufsanzeige im Internet. „Wir haben großes Interesse an Ihrem Pferd“, heißt es meist im gebrochenen Deutsch. „Welches sind Ihre teuersten Pferde?“, kann dazu kommen. Schnell werden Fotos und Videos hin und her geschickt, denn der potenzielle Käufer hat finanzkräftige Kunden aus Dubai an der Hand. Da er aber geschäftlich dermaßen eingespannt ist, werden die Verkäufer vorwiegend nach Mailand, Turin, Paris oder Amsterdam gelockt, um dort alles weitere zu besprechen. Dort fällt auf, dass die Kunden kein allzu großes Interesse an den Pferden signalisieren, jedoch geschickt Vertrauen gewinnen durch Fachfragen wie Quarantäne-Bestimmungen für den Flug, Erfolge oder Vet-Checks. Relativ schnell wird das Gespräch jedoch in eine ganz andere Richtung gelenkt. „Der sehr souverän und höflich auftretende Mann berichtete, er wolle offen  und ehrlich sein, er würde die Pferde nur kaufen, um sein Geld zu waschen. Deswegen bat er darum, einen Teil zu überweisen, den anderen als Bargeldaktion abzuwickeln“, berichtet ein Verkäufer, der ungenannt bleiben möchte. Der Brennpunkt: „Das Bargeld sollen wir in Mailand abholen und dem Käufer zusätzlich 100.000 Euro in bar mitbringen. Die bräuchte er in kleinen Scheinen“, so der Bayer. „Im Gegenzug würden wir sofort die Barsumme erhalten und sogar noch eine Provision in Höhe von 20.000 Euro für die Bargeldaktion.“ Spätestens jetzt klingelten bei dem bayerischen Händler die Alarmglocken. Im Internet wurde er schnell fündig: Rip-Deals heißen die kriminellen Handlungen, mit denen bereits über 50 Millionen Euro erbeutet wurden. Dabei wird Falschgeld gegen echtes getauscht.

Der vertrauensselige Verkäufer, der mit 100.000 Euro in bar nach Mailand reist, findet sich schnell auf dem Abgrund wieder. Die Geldübergabe verläuft in großer Hektik in noblen Luxushotels, die obersten Scheine sind echt, die unteren Falschgeld mit dem Aufdruck „Facsimilie“. Derartig gekennzeichnet, ist der Besitz von Falschgeld in Italien nicht strafbar. Wer sich wehrt und das Geld genauer prüfen will, wird bedroht und bekommt den Koffer notfalls mit Gewalt entwendet. Mindestens eine Person verlor ihr Leben dabei – erschossen.

In Deutschland wurden bereits mehrere tausend Fälle gemeldet, die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher, da sich viele Geschädigte schämen, sich der Polizei zu offenbaren. Betroffen sind vor allem Immobilienverkäufer. Doch auch auf Anzeigen, in denen teure Schiffe, Autos oder eben immer mehr auch Zucht- und Sportpferde angeboten werden, reagieren die Betrüger. In letzter Zeit wurden vielfach auch Züchter aus Norddeutschland kontaktiert.

Die Fantasie der Täter kennt keine Grenzen. Diese geht von der Übergabe von Falschgeld bzw. sogenannten Facsimile-Noten, über raffinierte Geldkoffer-Umtauschaktionen, sowie mit einzelnen echten Geldscheinen präparierte Papierbündel, bis hin zum einfachen Trickdiebstahl und Raub.  Die kriminelle Energie der Täter ist hoch. Gemeinsam ist ihnen ein seriöses Auftreten, sie agieren in Gruppen, betonen ihre Geschäftsbeziehungen zu Italien und geben sich oft als Investoren aus Dubai aus. Das deutsche Generalkonsulat in Mailand hat bereits Warnungen ausgesprochen und auch die bayerische Polizei beschäftigt sich intensiv mit Rip-Dealern. Wer etwas Verdächtiges erlebt, sollte umgehend die Polizei verständigen.