22.03.2026 21:02

Pferdeauktion in Schönwalde-Glien - März 2026

Die beste Nachricht am Anfang: es wurde für alle Pferde ein neues Zuhause gefunden!
In den letzten Tagen wurde auf Social Media wieder einmal sehr viel geschrieben, selten sachlich, aber eine Auktion von Tieren weckt immer Emotionen. Schon Ferdinand von Schirach sagte: "Wir leben im Zeitalter der Empörung. Die Erregungskurve im Internet ist stets bei 100 Prozent. Jeder Mensch ist durch die sozialen Medien heute nicht nur ein Empfänger von Nachrichten, er kann auch ein sehr mächtiger Sender sein. Und was er sendet, unterliegt kaum einer Kontrolle.“
Wie bei dieser Auktion der Pferde, die nun in Schönwalde stattfand, ist der Verkauf für den Landkreis das letzte Mittel, beschlagnahmten Tieren einen neuen Besitzer zu verschaffen.

Die Vorgeschichte der 37 Pferde und Ponys ist lang, Veterinärämter stehen regelmäßig in der öffentlichen Kritik, nicht schnell genug zu handeln. Aber natürlich müssen viele rechtliche Aspekte gesichert sein, damit ein Eingreifen zum Wohl der Tiere erfolgen kann. Die Besitzerin der Pferde hat auch bis zum Tag der Auktion  versucht, eine gerichtliche Entscheidung zu ihren Gunsten zu bekommen, sogar per Eilantrag, ist aber gescheitert.  
Die 37 Pferde, 21 Stuten und 16 Hengste, standen bereits seit Monaten in den Havelländer Ställen Andreas Gatz (Stuten) und Tahani  Ibrahim (Hengste), um die artgerechte Versorgung, die vorher nicht stattgefunden hat, zu gewährleisten. Es liegen Fotos vom Zeitpunkt der Beschlagnahmung vor, die hier bewusst nicht gezeigt werden, denn diese Fotos zeigen das unerträgliche Leid der Tiere, der Begriff Haut und Knochen sagt alles. Der gute Zustand der Tiere am Auktionstag  und die erfolgte tiergerechte Betreuung in den Pensionsställen wurden vom Veterinäramt und dem Auktionator vor Ort mehrfach lobend erwähnt. Was aber nichts daran ändert, dass eine "Rückgabe" der Tiere in die Obhut der Besitzerin, wieder in eine Spirale des Tierleids hätte führen können. Man fragt sich bei solchen Fällen generell, warum erkennen Tierbesitzer nicht selbst, wenn es den Tieren offensichtlich gesundheitlich schlecht geht? Vielleicht ist diese Auktion auch ein Weckruf für andere Halter, die eigene Haltung kritisch zu überprüfen - es ist immer besser, wenn sich vor Ort was ändert bei Missständen und die Menschen dann auch im Sinne der Tiere mitmachen und für die Befriedigung der Grundbedürfnisse selbst sorgen.  Bei tierschutzrechtlich relevanten Haltungsbedingungen MUSS die Behörde eingreifen!
Durch die aufgeheizte Stimmung in  Social Media, wurde der Tag in Schönwalde vorsichtshalber von drei Polizisten in Amtshilfe und Security-Männern begleitet, aber die Stimmung der fast 500 Besucher blieb friedlich. Obwohl längst nicht alle Besucher waren als Bieter gekommen waren, wurden in der dreistündigen Auktion alle Pferde (v)ersteigert.  Die besonderen Rassen und Abstammungen (Vollblutaraber, Trakehner, Arabisches Vollblut und Englisches Vollblut, Achal-Tekkiner, Quarter Horses) lockten auch viele sachkundige Züchter von weiter weg an.
Besonders emotional wurde es bei einer Stute, die von der Vorbesitzerin "um jeden Preis" zurückgekauft werden sollte und der Preis von einem Mitbieter hochgetrieben wurde.
Volker Raulf, Dipl. Agraringenieur, seit 1991 als Auktionator tätig, war von der Begrüßung bis zur Verabschiedung ein freundlicher und aufmerksamer Ansprechpartner und Auktionator, der souverän mit stets offenem Ohr für Fragen und Anregungen, durch den Nachmittag führte und zum Erfolg beitrug. Unterstützt wurde er u.a. von Tochter Wilma (Agraringenieurin B.Sc.) , mit der er zusammen das Unternehmen MennrathS - Auktionen für Pferde und Landwirtschaft betreibt und jährlich bis zu 15 Auktionen (u.a. Holger Hetzel, Thüringeti, Wildpferde Dülmen) durchführt. Außerdem war das Team des Veterinäramts Havelland, Frau Hilgert - Sachbearbeiterin Tierschutz und Tierarzneimittelüberwachung, Frau Kleßen - amtliche Tierärztin, Frau Wernecke - Amtstierärztin und Amtsleiterin, und Dr.Claudia Herrmann - Sachgebietsleiterin Tiergesundheit, im Einsatz und zahlreiche Helfer der Familie Ibrahim, die auch für die Verpflegung der Besucher gesorgt hatten.
Tahani Ibrahim hatte auch mitgeboten und besitzt nun besondere Pferde im Zuchteinsatz. Für Volker Raulf, der meist wesentlich größere und finanziell lukrativere Auktionen durchführt, war der Tag in Schönwalde-Glien eine Herzensangelegenheit, zumal er aus Mönchengladbach kommend, über 1000 km zurückgelegt hat. Am Ende des Tages hatte er nur noch ein Wort: "Großartig".  

Text+Fotos: Marietta Grade